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Vermögensstrategien sollten China stärker einbeziehen

Der chinesische Plan

Chinas Relevanz für das Weltwirtschaftswachstum ist in den vergangenen Jahren immer stärker geworden und sie wird weiter steigen. Positive Entwicklungen in der chinesischen Wirtschaft helfen inzwischen praktisch allen Ländern, Probleme Chinas schaden umgekehrt weitgehend allen. Zur Wirtschaftskraft aller Entwicklungsländer steuert China allein rund ein Viertel dazu bei.

Die neue Seidenstraßen-Initiative (belt & road-initiative) ‑ zu Wasser und zu Lande ‑ soll den Welthandel der nächsten Jahrzehnte befeuern und schafft aus chinesischer Sicht mehr Unabhängigkeit von Handelsembargos. Von der chinesischen Politik wurden bereits 2015 zehn Branchen (Robotertechnik, IT, Luft- und Raumfahrttechnik, Eisenbahntechnik, Umweltautos, Energieerzeugung, Landmaschinen, Medizintechnik, neue Werkstoffe, Meerestechnik und High-Tech-Schiffe) identifiziert, auf die die Volksrepublik in Zukunft setzt.

Diese werden gezielt wirtschaftlich gepusht und so entsteht in diesem Land ein gewaltiger technologischer Fortschritt. Dadurch profitieren zwar die entsprechenden Zulieferindustrien, aber es entsteht auch Konkurrenz für alle Wettbewerber in anderen Regionen der Welt.

Was ängstigt uns an China?

Das Land hat in den letzten Jahren immer wieder Schlagzeilen durch Käufe von Unternehmen in Deutschland, des Hafens von Piräus (Griechenland) oder auch von Rohstoffvorkommen in Afrika gemacht. In Verbindung mit seiner Größe und seiner stark wachsenden Wirtschaftskraft hat dies bei vielen Menschen Ängste geweckt. Sie befürchten, das Land strebe eine Art Weltherrschaft an oder habe irgendwelche anderen unlauteren Absichten.

Wenn man davon ausgeht, dass China lediglich seine Interessen verfolgt, bleibt die Erkenntnis, dass das Land ein langfristiges Konzept, eine Strategie verfolgt, der sich diese Maßnahmen unterordnen. Sollte dieses Handeln zu Lasten anderer Nationen gehen, ist es natürlich ungut - per se ist es aber keine schlechte Sache, eine Strategie zu haben.

Gerade in Deutschland wird Politik mehr und mehr als Verwaltung verstanden und in der EU ist ein bekannter Schwachpunkt, dass eben keine gemeinsame Strategie bisher entwickelt wurde. So stellt sich aus unserer Sicht die Frage, ob uns das chinesische Streben nicht etwa nur deswegen so ängstigt, weil dort genau das funktioniert, was wir bei uns so sehr vermissen. Gerade die Wirtschaftspolitik scheint in Deutschland keine Langfriststrategie mehr zu haben, sondern beschränkt sich auf punktuelles Eingreifen.

Was der Westen von China lernen kann

China wird in vielen Bereichen zwar häufig immer noch als Nachzügler wahrgenommen, doch in zahlreichen Disziplinen ist es bereits Vorreiter. Ein gutes Beispiel ist hierfür die Urbanisierung. Weltweit leben zunehmend mehr Menschen in großen Städten, dieser Trend wird in den nächsten Jahrzehnten noch deutlich zunehmen. Der chinesische Staat hat für sich erkannt, dass die Grundversorgung wie z. B. Schulen, soziale Dienste, Kultur, Trinkwasserversorgung, Abfallbeseitigung und Verkehrsinfrastruktur, die die Regierung bereitstellen muss, in Städten einfacher zu gewährleisten ist als in der Fläche. Für die Entwicklung von Technologien, die als Zukunftsbranchen angesehen werden, bietet die Volksrepublik außerdem überaus großzügige Unterstützung an.

Individualität spielt in Europa eine deutlich größere Rolle als in China, wo das große Ganze wichtiger ist. Darüber hinaus ist das Demokratieverständnis nicht das gleiche. So haben wir bisweilen Zweifel, ob das Land in Fernost demokratisch ist, zumindest in unserem Sinne, doch andererseits ist es in verschiedenen Bereichen auch handlungsfähiger. Bei uns allerdings, wo die Politik in einem dauernden Wahlkampfmodus zu sein scheint, werden Langfriststrategien kaum noch umgesetzt bzw. überhaupt nur aufgestellt. In den letzten zwanzig Jahren scheinen selbst Parteiprogramme obsolet geworden zu sein und man fragt sich häufig, wofür stehen die einzelnen Parteien überhaupt noch.

Vermögensanlage für große Volumina

Angesichts dieser Entwicklungen bekommen wirtschaftliche Entscheidungen der chinesischen Regierung zusehends größere Bedeutung in der Vermögensstrategie.

Eine erfolgreiche Vermögensanlage ist immer ein Spiegelbild von erzielter Rendite und eingegangenem Risiko. Beides basiert in letzter Konsequenz auf der langfristigen Vermögensstrategie und der kurzfristigen Taktik, aber auch auf der Entwicklung des Kapitalmarktes, die für den Investor nicht steuerbar ist. Es ist üblich, das Risiko mit der Schwankungsbreite, der Volatilität gleichzusetzen, doch aus unserer Sicht ist dieser Begriff für ein privates Großvermögen denkbar ungeeignet. Eine hochvermögende Privatperson wird allenfalls einen sehr kleinen Anteil ihres Vermögens für den Konsum benötigen. Damit ist aber auch das Privileg verbunden, Wertschwankungen aussitzen zu können. Tatsächlich ist der Totalverlust eines Investments das Problem für einen hochvermögenden Investor, denn dann ist der Wert unwiederbringlich verloren.

Wie ordnen wir China in die Vermögensstrategie ein?

Durch seine wirtschaftliche Entwicklung und seine strategischen Entscheidungen spielt China bereits jetzt für jeden Vermögensanleger eine entscheidende Rolle. Alle großen europäischen Unternehmen sind längst in der Volksrepublik aktiv, produzieren, verkaufen und forschen. Wirtschaftliche Veränderungen in China wirken sich weltweit aus, tangieren Unternehmen auch außerhalb Chinas, manche Volkswirtschaften bleiben von den Schwankungen dort ebenfalls nicht unberührt. Hier stellt sich die Frage, soll man sich in China als Investor engagieren. Aus unserer Sicht sprechen viele Gründe dafür. Das Land hat nach wie vor einen erheblichen Nachholbedarf gegenüber gereiften Volkswirtschaften. In China leben rund 1,4 Milliarden Menschen. Rund die Hälfte leben mittlerweile in recht guten wirtschaftlichen Verhältnissen. Aber auch die andere Hälfte sehnt sich nach dem „chinesischen Traum“, nach Wohlstand und dabei hilft die Regierung durch das Auflegen von speziellen Fördermaßnahmen kräftig mit.

Gerade diese genannte wirtschaftspolitische Strategie gibt Anlass, an ein weiteres geregeltes Prosperieren des Landes zu glauben. So sollte das wirtschaftliche Wachstum in den nächsten Jahren und Jahrzehnten dort überdurchschnittlich groß bleiben und somit die Investitionschancen auch größer als in Europa sein.

Natürlich gibt es auch Probleme wie z. B. die demografische Entwicklung, die aus der Ein‑Kind‑Politik erwachsen ist. Mittlerweile gibt es in China zwar mehr Menschen im Alter von über 70 Jahren als Einwohner in Deutschland, doch auch die Ein-Kind-Politik haben die Verantwortlichen in der Regierung längst kassiert. Wer jedoch gerade nicht daran glaubt, dass die chinesische Politik in absehbarer Zeit an ihre Grenzen stoßen wird und der Aufschwung innenpolitischen Problemen zum Opfer fällt, sollte aus unserer Sicht die Chancen nutzen. Ist es nicht auch so, dass man sein Geld lieber in eine Aktie steckt, deren Unternehmensführung eine plausible Langfriststrategie verfolgt anstatt sich nur treiben zu lassen? Die Schwankungen in Entwicklungsländern sind typischerweise größer als in gereiften Volkswirtschaften, doch das ist das geschilderte verkraftbare Problem mit der Volatilität. Was bleibt sind die Wachstumschancen.

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