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Tulpenzwiebel oder nachhaltiger Wert?

Die Wertentwicklung des Bitcoins ziert inzwischen Titelseiten von Zeitungen ebenso wie die Hauptnachrichtensendungen des deutschen Fernsehens. Dabei wird immer wieder die Frage gestellt, ob es sich hierbei um einen Zukunftstrend oder um eine „Luftnummer“ handelt. Die sich überschlagenden Meldungen beim Erreichen neuer Höchststände erinnern schon fast an die beste Phase der Internetblase Ende der neunziger Jahre bzw. im Jahr 2000. 

Nüchtern betrachtet handelt es sich bei dieser „Währung“ um ein Zahlungsmittel, das global einsetzbar ist und dadurch im globalisierten Internethandel praktische Vorteile genießt. Dieser Vorteil ist offenbar etwas wert und die dadurch resultierende Wertsteigerung hat ganz offensichtlich Leute auf den Plan gerufen, die gar nicht an einem praktischen Zahlungsmittel, sondern an einem Wertgegenstand mit augenscheinlichen Wertsteigerungspotential interessiert sind. Hinzu kommt sicher noch, dass die derzeit laufende Digitalisierungswelle einen generellen Paradigmenwechsel ausgelöst hat und dadurch viel Raum für Spekulationen über die Zukunft entstanden ist. 

Mit den Augen der Volkswirtschaftslehre betrachtet stellt aber eine Währung den Gegenwert von den Dingen dar, die man in einer Volkswirtschaft kaufen kann. Doch wo ist die Volkswirtschaft, die den Gegenwert des Bitcoins darstellt? Wir können diese nicht erkennen und so fragen wir uns, ob es sich hier tatsächlich um einen echten Wertgegenstand handelt, der mehr als ein Spekulationsobjekt darstellt. Es mag durchaus noch den einen oder anderen Bitcoin-Investor geben, der in der nahen Zukunft Gewinne aus dem Bitcoin ‑ oder auch anderen Kryptowährungen ‑ zieht, dass aber nachhaltige Werte mit dem Bitcoin geschaffen werden, entzieht sich unserer Wahrnehmung. Diese Währung wird ja auf Basis größter Computer-Rechenleistung „geschürft“. Welcher Wert entsteht durch diese Rechenleistung? Der Kryptoanalyst Alex de Vries schätzt den jährlichen Energieverbrauch der „Mineure“ auf 24 Terawattstunden, was etwa dem jährlichen Energieverbrauch von Nigeria entspricht, einem Land mit immerhin 186 Millionen Einwohnern. 

Vieles an der gegenwärtigen Entwicklung erinnert uns vielmehr an die Tulpenzwiebel-Spekulationen im Holland des 17. Jahrhunderts. Auch hier lief über einen längeren Zeitraum eine gigantische Wertsteigerung eines Spekulationsobjektes ab, das bei nüchterner Betrachtung keinen halbwegs entsprechenden Gegenwert darstellt. Das Ende der Geschichte ist bekannt. 

Wer sein Geld nachhaltig investieren und nicht kurzfristig damit spekulieren will, sollte bei derlei Entwicklungen hochgradig vorsichtig sein. Ein erfahrener Langfrist-Investor weiß, dass er im langjährigen Mittel sein Kapital nach Kosten, Steuern und Inflation erhalten kann – aber nicht sehr viel mehr. Wir wollen gar nicht in Abrede stellen, dass Kryptowährungen in einer globalisierten Welt mit regem Internethandel eine Zukunft vor sich haben, nicht zuletzt wegen dem oben genannten praktischen Wert, doch die Wertsteigerungen der letzten Monate sind alles andere als nachhaltig und schreien nach einer Korrektur. Eine Korrektur führt dann den Wert nicht nur wieder an den tatsächlichen Gegenwert heran, sondern führt kurzfristig sogar unter diesem Wert. Wenn diese Entwicklung eintritt, kann es für den einen oder anderen Investor sehr teuer werden. 

Unsere Empfehlung kann nur lauten, sein Vermögen zu investieren und nicht damit zu spekulieren. Die echte Investition basiert auf Unternehmen, Immobilien, auch Volkswirtschaften u. ä., in denen langfristig Werte geschaffen werden. So zeichnet sich ein nachhaltiges Investment in aller Regel auch dadurch aus, dass es neben der Wertsteigerung einen laufenden Ertrag wie Dividende, Zinsen oder Miete generiert. Diese nachhaltige Wertschöpfung sehen wir bei Kryptowährungen nicht ansatzweise in der Dimension, in der zuletzt Wertsteigerungen stattgefunden haben.

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