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Nachhaltige Geldanlagen – kurze Einführung und Anleitung

Der Nachhaltigkeitsgedanke stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft: Man solle nicht mehr Holz schlagen als nachwachse. Dieser Grundgedanke leitete auch den Club of Rome 1972 bei seinen Thesen zu den Grenzen des Wachstums. Doch erst 20 Jahre später erkannten die Vereinten Nationen in ihrer „Agenda 21“ Nachhaltigkeit als Leitgedanken an.

Die Weiterentwicklung ist die „Agenda 2030“ aus dem Jahr 2015. Die 17 darin enthaltenen Ziele für nachhaltige Entwicklung sind in der Grafik dargestellt. Sie sind eine Kombination aus ökologischen, ökonomischen und ethisch-sozialen Aspekten und werden unter dem Oberbegriff Nachhaltigkeit subsummiert. Bei dieser Vielfalt versteht es sich von selbst, dass sich bislang noch kein einheitliches Verständnis von Nachhaltigkeit herausgebildet hat.

Lange Zeit bestand auch das Vorurteil, dass Ökologie und Ökonomie im Grunde für unterschiedliche Ziele stehen. Dementsprechend stünden auch Rendite und Nachhaltigkeit in Widerspruch zueinander.

Inzwischen setzte auch hier ein Umdenken ein. Immer mehr Unternehmen verabschieden sich vom Mantra des Shareholder Value. Stattdessen sollen alle sogenannten Stakeholder ‑ von Mitarbeitern über Kunden und Zulieferer bis hin zu den lokalen Behörden ‑ in die Unternehmensstrategie einbezogen werden.

Quelle: UNESCO Deutschland

Einen ersten Rahmen für die nachhaltige Kapitalanlage haben die Vereinten Nationen mit ihren Prinzipien für verantwortliches Investieren (UN-PRI) entwickelt. Dieser Initiative haben sich seit 2006 über 2.600 Vermögensverwalter und Großanleger angeschlossen. Ziel ist die Ergänzung der klassischen Kriterien der Kapitalanlage ‑ Rendite, Liquidität und Risiko ‑ um ökologische, soziale und ethische Aspekte, wofür gerne das Kürzel ESG (Environment/ Umwelt, Soziales und Governance/gute Unternehmensführung) verwendet wird.

Im März 2018 beschloss die EU ihren Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums. Das Maßnahmenpaket soll Kapital in entsprechende Investitionen lenken, Nachhaltigkeit in das Risikomanagement integrieren sowie Transparenz und Langfristigkeit der Kapitalanlagen erhöhen. Finanzdienstleister werden zudem angehalten, ihre Überlegungen zum Thema Nachhaltigkeit in der Kapitalanlange offenzulegen.

Nicht zuletzt durch diese Initiative explodierte das Angebot an entsprechenden Investmentmöglichkeiten förmlich. Keine Bank oder namhafte Fondsgesellschaft kommt mehr ohne Nachhaltigkeitsstrategien aus. Man habe das schon immer gemacht und es liege gleichsam in der DNA des Hauses, so die Hochglanz Broschüren. Je mehr Angebote auf den Markt kommen, desto größer wird die Gefahr des „Greenwashings“. Darunter versteht man den Versuch, durch ESG-Bemühungen das eigene Image zu verbessern.

Für interessierte Anleger ist es deshalb besonders wichtig, zunächst die eigenen Zielvorstellungen dafür zu definieren, wie sie Nachhaltigkeit im Vermögen umsetzen möchten. Die gängigsten Wege dabei sind:

Verwendung von Ausschlusskriterien (Negativauswahl)
Hiervon betroffen sind Unternehmen, die Umwelt oder Gesundheit schädigen, Arbeits- oder Menschenrechte verletzen oder mit Korruption in Verbindung stehen bzw. deren Produkte sich nicht im Einklang mit den eigenen Wertvorstellungen befinden wie Waffen.

Verwendung von Auswahlkriterien (Positivauswahl)
Hierbei werden Anlageklassen (z. B. Mikrofinanz), Branchen (z. B. erneuerbare Energien) oder Emittenten als positiv bewertet und gezielt ausgewählt.

Best-in-Class Ansatz
Es werden die Unternehmen ausgewählt, die in den letzten Jahren die größten Fortschritte hinsichtlich ESG gemacht haben. Dadurch kann jedoch auch in Rüstungs- oder Ölfirmen investiert werden.

Generelle Berücksichtigung von ESG-Kriterien im Investmentprozess
Dabei gehen ESG-Risikofaktoren z. B. in Form von Bewertungsaufschlägen in die klassische Investmentanalyse ein.

Impact Investing
Hierbei sollen gezielt Projekte unterstützt werden, die einen positiven Einfluss im Sinne der ESG-Kriterien haben.

Ist sich der Anleger im Klaren, welchen dieser Wege er gehen möchte, erleichtert es ihm die Vorauswahl unter der Vielzahl an Investitionsmöglichkeiten. Allerdings kann dies auch bedeuten, dass sein bisheriger Finanzdienstleister nicht der richtige Partner hierfür ist. Denn häufig arbeiten Investmenthäuser entweder mit der Positiv- oder mit der Negativauswahl.

Im nächsten Schritt sollte sich der Anleger dann ein Bild über die Tiefe der Analyse der ESG‑Aspekte und die Art der Implementierung im Investmentprozess der in Frage kommenden Anbieter machen. Während einige Häuser über die Jahre eigene (Research‑)Kapazitäten aufgebaut haben, kaufen sich andere Anbieter die ESG-Kompetenz von spezialisierten Rating-Agenturen wie Oekom Research oder Sustainalytics zu. Zum Teil werden eigene Analysen durch Ratings der Agenturen ergänzt.

Allerdings sind die ESG‑Ratings der verschiedenen Agenturen nur bedingt miteinander vergleichbar, wie eine Analyse des Flossbach von Storch Research Instituts zeigt. In der nachfolgenden Grafik, die wir dieser Studie entnommen haben, wurden die ESG-Ratings dreier Agenturen für ausgewählte Automobilhersteller gegenübergestellt. Je höher der Wert, umso vorteilhafter die Einschätzung.

Die Ergebnisse könnten kaum unterschiedlicher sein. Als Grund verweist der Autor der Studie auf unterschiedliche Gewichtungen und Informationsverarbeitung. Wie kontrovers die Ratings sein können, zeigt auch das Beispiel Siemens, das jüngst von MSCI die Höchstnote AAA bekam, aktuell aber wegen der Belieferung einer australischen Kohlemine bei Umweltschützern massiv in der Kritik steht. Viele Investoren präferieren auch deshalb ein hauseigenes Research.

Diese Beispiele verdeutlichen zudem ein Dilemma nachhaltiger Kapitalanlagen:

Ambitionierte Anleger legen großen Wert auf eine individuelle Umsetzung. Zudem haben kirchliche Einrichtungen, Stiftungen und Privatanleger ohnehin andere Ziele und machen deshalb andere Vorgaben.

Dagegen strebt die Finanzbranche Skaleneffekte und standardisierte Lösungen an.

Der Anleger sollte sich folglich bewusst machen, dass ein Engagement in nachhaltigen Kapitalanlagen vielfach mit Kompromissen einher geht.

Unabhängig davon stellt die Berücksichtigung von ESG-Kriterien jedoch eine sehr effiziente Form des Risikomanagements dar. So werden Unternehmen vermieden, die sogenannte negative externe Effekte verursachen oder sich Vorteile zulasten Dritter (Mitarbeiter, Kunden, Zulieferer, Öffentlichkeit, Aktionäre) verschaffen.

Solche vermeintlichen Wettbewerbsvorteile sind meist nur von kurzer Dauer. Die Internalisierung, d. h. Zurechnung dieser externen Effekte auf den Verursacher, ist dagegen nachhaltiger: Strafzahlungen, der Verlust an Reputation und Marktanteilen sowie damit einhergehend fallende Aktienkurse oder schlechtere Finanzierungsbedingungen.

Unter ESG-Aspekten hätte beispielsweise die Aktie von Bayer schon im Vorfeld der Akquisition von Monsanto verkauft werden müssen. Denn Monsanto stand schon seit Jahren wegen Vorwürfen der Fälschung von wissenschaftlichen Untersuchungsergebnissen, politischer Einflussnahme und Verstrickung mit der Politik in der Kritik. Die nun auf Bayer zukommenden Rechtsrisiken haben bekanntlich zu einem dramatischen Kursverfall geführt.

Ein weiteres Beispiel sind Tabakaktien. Lange Zeit waren sie bei Investoren wegen dem äußerst stabilen Gewinnwachstum sehr beliebt. Der Nachfragerückgang in den Industriestaaten sollte mit e-Zigaretten kompensiert werden. Allerdings führten Todesfälle und ungeklärte Lungenerkrankungen in Folge des Konsums der neuen Produkte zu sehr hohen Strafzahlungen und drohender Regulierung. Die Folge waren auch hier deutliche Kursrückgänge unabhängig von der allgemeinen Marktentwicklung.

Auch wegen solcher Beispiele haben nachhaltige Kapitalanlagen speziell in den letzten Jahren zu einer Mehrrendite geführt. In der nachfolgenden Grafik haben wir den globalen Aktienindex (MSCI World) mit seinem nachhaltigen Pendent verglichen, dem MSCI World SRI Index (Social Responsible Investment).

Mit fortschreitender Sensibilisierung der Gesellschaft für Nachhaltigkeit steigt auch deren Bedeutung für die Vermögensanlage. Im Idealfall führt die Berücksichtigung der ESG-Faktoren auch am Kapitalmarkt zu Bereinigungstendenzen.

Negative Nachrichten über Unternehmen und Staaten, die wenig Bereitschaft zeigen, entsprechend zu handeln, vergrößern deren Risiko an den Kapitalmärkten. Sie müssen sich womöglich mit Kursrückgängen bzw. schlechteren Finanzierungsbedingungen abfinden. Dagegen könnten positive Nachrichten im ESG-Kontext an den Börsen zu sich selbst verstärkenden Entwicklungen führen. Sofern diese von soliden Fundamentaldaten begleitet werden, besteht zunächst noch kein Risiko von Übertreibungen und Marktverwerfungen.

Die Berücksichtigung von ESG-Kriterien erfordert eine stark vernetzte Denkweise. Viele Asset Manager nachhaltiger Kapitalanlagen achten dabei besonders auf die Qualität und persönliche Integrität des Managements. Denn eine sehr gute Unternehmensführung, so die These, sollte auch dazu führen, dass ein Investment hinsichtlich ökologischer und sozialer Aspekte weniger risikoreich ist als in einem Unternehmen mit Fokus auf kurzfristiger Gewinnmaximierung.

Letztlich existiert bei der ESG-Integration in die Kapitalanlage jedoch kein Königsweg und sie ist häufig mit Kompromissen verbunden. Je mehr Anleger auf Nachhaltigkeit auch in ihrem Vermögen Wert legen, desto mehr werden ESG-Aspekte integrale Bestandteile der Kapitalanlage.

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